PD Dr. med. Robert Waltereit
Psychiatrie im Wandel
Nah an der Lebenswirklichkeit
Wir verbinden wissenschaftlich fundierte Therapie mit echter Lebensnähe – damit Veränderungen auch außerhalb der Klinik tragen.
PD Dr. Waltereits Arbeitsschwerpunkte
Verbesserung Klinische Diagnostik
PD Dr. med. Waltereit hat es sich zum Ziel gesetzt, die Kinder- und Jugendpsychiatrie kontinuierlich weiterzuentwickeln und zu verbessern. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit sind Diagnostische Methoden & Entwicklungspsychopathologie.
Die Entwicklungspsychopathologie beschäftigt sich mit
- Entstehung/Ursachen
- Entwicklung
- und Verlauf von psychischen Erkrankungen
Zum Beispiel forscht sein Team und er über affektive Dysregulationen (AD) und der Verwendung eines Medikaments mit dem Wirkstoff "Guanfacin"
Tuberöse Sklerose
PD Dr. med. Waltereit verfügt über eine ausgewiesene Expertise im Bereich der Tuberösen Sklerose in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und ist national wie international international vernetzt.
Die Tuberöse Sklerose ist eine genetische Erkrankung, die mit Veränderungen im Gehirn und anderen Organen einhergeht. Häufig treten auch neuropsychiatrische Auffälligkeiten auf, etwa im Bereich von Autismus, ADHS oder kognitiven Beeinträchtigungen.
Ein besonderes Anliegen ist die Entwicklung innovativer diagnostischer und therapeutischer Ansätze. Gemeinsam mit seinem Team hat PD Dr. med. Waltereit unter anderem an der Erstellung einer Leitlinie mitgewirkt und eine App entwickelt, die die Versorgung betroffener Kinder und Jugendlicher unterstützt.
Molekulare Kinder- und Jugendpsychiatrie, insbesondere bei Dysregulation von mTOR
- Molekulare Neurobiologie, Verhaltensanalysen und experimentelle Pharmakologie im Tsc2+/- Tiermodell des Autismus
- Empowerment der Familien, Entstigmatisierung bei Tuberöse Sklerose-assoziierten neuropsychiatrischen Manifestationen (TAND), Entwicklung internationaler klinischer Leitlinien für TAND und international nutzbare Patienten-App
- Entwicklung von mTOR als Protein-Biomarker für Autismus
Adoleszentenpsychiatrie
Der Übergang von der Kindheit, über die Jugend bis hin zum Erwachsensein ist ein Hotspot für mögliche psychische Erkrankungen:
- Entwicklungsstörungen
- Persönlichkeitsstörungen
- ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung)
- Psychosen
- Beginn von Suchterkrankungen
- Schizophrenie (tritt oft erstmals im Adoleszenten-Alter auf)
- Mediensüchte (immer größer werdendes Thema)
In dieser Zeit des Übergangs gibt es biologische, psychologische und soziale Reifungsschritte. Die Betroffenen verlassen den sicheren Hafen aus Elternhaus und Schule. Das sind strukturierte Systeme, die wegfallen.
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie brauchen eine eigene Spezialisierung. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) ist dabei kein Untergebiet der Psychiatrie, sondern ein eigenständiges Fachgebiet.
Das LWL-Klinikum Marsberg bietet durch die enge Zusammenarbeit mit der Erwachsenenpsychiatrie besondere Möglichkeiten in der Adoleszentenpsychiatrie. Sie benötigen eine spezialisierte Behandlung, die ihre Entwicklungsphase berücksichtigt. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie ist daher ein eigenständiges Fachgebiet mit eigenen Konzepten und Therapieansätzen.
Neue Synergieeffekte
PD Dr. med. Robert Waltereit besitzt die Doppelqualifikation als Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und für die Erwachsenenpsychiatrie. Er ist Experte für die Adoleszentenpsychiatrie, also den Übergang von Kindheit, Jugend zum Erwachsensein.
Nah am Patienten
In der KJP Marsberg, am Standort Paderborn und in den Tageskliniken führt Dr. Waltereit multiprofessionelle Teams zu einer umfassenden Patient:innen-Versorgung an. Jedes Kind und jeder Jugendlicher liegt seinem Team und ihm dabei am Herzen.
Kurzinterview mit PD Dr. Waltereit
Normal gibt es nicht
„Die eine ‚normale‘ Kindheit oder Jugend gibt es nicht. Zwischen psychisch gesund und psychisch krank liegen viele Grauzonen.
Wichtig ist: Niemand ist schuld an psychischen Problemen – weder die Betroffenen noch ihre Familien.
Wenn Kinder, Jugendliche oder Bezugspersonen merken, dass etwas nicht stimmt, ist es sinnvoll, frühzeitig Unterstützung zu suchen. Je früher Hilfe erfolgt, desto besser lassen sich viele psychische Erkrankungen behandeln und chronische Verläufe vermeiden.
Erkrankungen wie Essstörungen, soziale Ängste oder selbstverletzendes Verhalten sind heute gut behandelbar.
Am LWL-Klinikum Marsberg bieten wir beispielsweise seit vielen Jahren die Dialektisch-Behaviorale Therapie für Jugendliche (DBT-A) an. Dieses etablierte Verfahren unterstützt insbesondere junge Menschen mit Schwierigkeiten in der Emotionsregulation.“
Wo liegen die Stärken der Marsberger KJP?
Das LWL-Klinikum Marsberg mit seinen Fachkliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie für Erwachsenenpsychiatrie gehört zu den traditionsreichsten psychiatrischen Einrichtungen in Westfalen.
Diese Tradition verstehen wir als Auftrag, uns kontinuierlich weiterzuentwickeln – nicht im Sinne des Bewahrens, sondern des Weitergebens: Wir bewahren nicht die Asche, sondern geben das Leuchten weiter.
An unseren Standorten in Marsberg und Paderborn sowie in den Ambulanzen und Tageskliniken in Höxter, Marsberg, Meschede und Paderborn bieten wir eine fundierte diagnostische Abklärung und individuelle Beratung zu unseren Therapieangeboten.
Unsere multiprofessionellen Teams vereinen unterschiedliche Berufsgruppen, Erfahrungen und Zusatzqualifikationen – und ermöglichen so eine umfassende und ganzheitliche Behandlung.
Parzivals Geheimnis
Parzival aus der mittelhochdeutschen höfischen Literatur ist modern gesagt ein Held mit einer psychosozialen Entwicklungsverzögerung. Zu Anfang ist er noch verloren in der Welt und muss sich erst beweisen, um sich von einem Narren zu einem Artusritter und schließlich zum Gralskönig zu wandeln. Die Selbstfindung geschieht durch seine Abenteuerreisen, mittelhochdeutsch (Âventiure) genannt.
Die Welt wird immer komplexer und herausfordernder. Jeder Mensch kann in jedem Alter auf psychiatrische Hilfe angewiesen sein. Hilfe annehmen zu können ist wichtig. Parzival bekommt auf seinem Weg zum Gralskönig Hilfe von verschiedenen Mentoren, also Figuren, die ihn erziehen, leiten und ihm Ratschläge erteilen. Ohne Hilfe hätte er es nie bis zum Gralskönig gebracht.
Auch heute gilt: Entwicklung braucht Zeit – und manchmal Hilfe. Gerade in einer zunehmend komplexen Welt können Kinder, Jugendliche und ihre Familien auf Unterstützung angewiesen sein.
Professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein wichtiger Schritt. Sie kann helfen, Krisen zu bewältigen und langfristige Belastungen zu vermeiden. Wer sich professionelle Hilfe holt, erspart sich unter Umständen einen langen Leidensweg. Besonders bei Kinder und Jugendlichen können psychiatrische Angebote für den weiteren Lebensweg entscheidend sein.
Digitale Informationssysteme
Innovative Ansätze: Aktuell arbeitet PD Dr. med. Robert Waltereit an der digitalen Übertragung von Forschung in die klinische Praxis,
zum Beispiel durch:
- Verwendung digitaler Tools
- Chatbot-Ansätze
Ziel ist es, Psychiatrie im Bereich der Diagnostik und Versorgung für Kinder und Jugendliche besonders in ländlichen Strukturen zu verbessern.
PD Dr. med Waltereit verbindet Wissenschaft, Forschung und Klinikalltag mit neuen digitalen Möglichkeiten zum Wohl der jungen Patient:innen.
"Wir passen uns so der Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen an", so der Mediziner. "Psychiatrie muss sich parallel zu neuen digitalen Möglichkeiten weiterentwickeln." Das sei gerade im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie von entscheidender Bedeutung. "In vielen Lebensbereichen gehören digitale Tools zum Leben dazu. Warum auch nicht in der Psychiatrie."
Aktuelle Publikationen
Gute Orientierungshilfe
Für die klinisch-psychiatrische Untersuchung gibt es kein feststehendes Schema – man kann nur am Patienten lernen.
Insbesondere für den Anfänger ist es daher wichtig, Orientierungshilfen, Richtlinien und mögliche Vorgehensweisen aus der Praxis zu kennen. In diesem Buch werden anhand konkreter Schritte die Grundlagen der Psychopathologie, die konkrete Durchführung der psychiatrischen Untersuchung mit Techniken und anwendungsorientierte Handlungsanweisungen vorgestellt.
Welche Rolle spielen Persönlichkeit, Lebenssituation oder Alter der Patienten? Wie geht man mit Sprachbarrieren oder „schwierigen“ Patienten um? Hier bekommen Sie viele praktische Tipps zum psychiatrisch-therapeutischen Gespräch.
Zudem erfahren Sie, wie Sie durch Klassifikationssysteme, Ratingskalen und apparative Verfahren Schritt für Schritt zur richtigen Diagnose gelangen.
So gewinnen Sie Sicherheit bei der Durchführung und Bewertung der klinischen Anamnese und Befunderhebung!
Jederzeit zugreifen: Der Inhalt des Buches steht Ihnen ohne weitere Kosten digital in der Wissensplattform eRef zur Verfügung (Zugangscode im Buch). Mit der kostenlosen eRef App haben Sie zahlreiche Inhalte auch offline immer griffbereit. (Text: Thieme Verlag)